Veröffentlichungen und andere Katastrophen

Inzwischen schwinge ich ja vollmundige Reden, dass ich mich als Hybridautorin sehe, SP und Verlag. Und fachsimple darüber, wie ich Projekte von Anfang an auf das eine oder das andere hin konzipiere, wo die Unterschiede sind … Aber noch vor zwei Jahren schrieb ich überall „SP? Ne. Nicht für mich. Das überlasse ich den Profis. Ich bin zu inkompetent dafür.  Zu viele Dinge, die da dranhängen und die ich mir nicht zutraue. Nene, das sollen die machen, die mutiger sind als ich.“

Ach hätte ich nur nichts gesagt.

Denn natürlich kam die Märchenspinnerei. Und ich, als Märchenbegeisterte von Kindesbeinen an, habe sofort „hier“ geschrien. Und was tut die Märchenspinnerei? SP. Das war ja der Gedanke dahinter.

Katastrophe Nummer 1: Das Buch an sich

Wer meine Posts etwas länger mitverfolgt, weiß: Ich schreibe meine Rohfassungen ungefähr seit drei Jahren immer in einem Rutsch. Sie sind oft 50-75% kürzer als das fertige Buch. Und sie sind oft katastrophal.

Aber die Rohfassung von „Zarin Saltan“ war ungefähr 15.000 Wörter lang und die schlechteste Rohfassung, die ich je geschrieben habe. Und das, obwohl es das zwölfte oder dreizehnte (ich weiß nicht genau, ob ich es vor oder nach der Sci-Fi-Novelle geschrieben habe) Buch in meinem Leben ist.

Vielleicht kommt es mir auch nur so vor, eben weil ich in der Zwischenzeit so viele andere Bücher geschrieben habe und die Maßstäbe daher höher sind als sonst. Oder weil ich es so, so sehr gut machen wollte, dass ich verkrampft geschrieben habe und meine überzogenen Erwartungen gar nicht erfüllen konnte. Das weiß ich nicht.

Und ich bin ganz ehrlich: Ich hatte damals im Oktober keine Ahnung, wie daraus in recht kurzer Zeit ein ordentliches Buch werden soll. Dass das funktioniert hat, verdanke ich den vielen Leuten, die mich durch die Überarbeitungen geboxt haben. Danke :*

Katastrophe Nummer 2: Die Sachen mit den Tüten

Einige haben es mitbekommen – die dreizehn guten Feen der Märchenspinnerei erhalten vorab von uns Rätseltüten und natürlich habe ich mich bemüht, meine pünktlich abzuschicken. Sogar extrapünktlich, damit eine Fee, die ins Ausland geht, ihre Tüte noch kriegen kann.

Also: Mutter geschnappt. Läden abgeklappert. Ideen hatte ich ja, ich brauchte nur jemanden zum Mitgucken. Als sehr verpeilter Mensch gehe ich in einen Laden und kann DIREKT vor dem Ding stehen, das ich brauche und trotzdem hilfesuchend meine Umgebung anmaunzen, ob sie nicht das und jenes gesehen hätten.

Dank Mutters Adleraugen die Dinge gefunden.

Briefe geschrieben, ausgeschrieben und bemalt. Umschläge beschriftet. Sachen abgezeichnet. Krönchen gebastelt. Am Ende war ich völlig kaputt, aber ich hatte dreizehn Umschläge.

Fehlten nur noch Quartettkarten, die noch per Post kommen sollten, dann konnte es losgehen.

Nur lief parallel noch mein Umzug. Heißt: Wenn ich nicht gerade Feenbriefe, Überarbeitungen, Veröffentlichung und Packen unter einen Hut gebracht habe, lag ich auf der Couch und war froh, dass ich noch geistige Kapazität zum Atmen hatte.

Als an dem Tag, an dem ich in den Zug gen neue Heimat steigen sollte, die Karten noch nicht da waren, habe ich meine Familie genau instruiert: Ich habe am neuen Wohnort von Anfang an Internet, sobald sie da sind, werfen wir den Skype-Videochat an, sortieren die gemeinsam und dann schickt meine Familie die Briefe los.

Irgendwie war mein Vater nicht dabei, als ich das gesagt habe.

Die Karten kamen an dem Tag, an dem ich fahren musste.

Am selben Tag hat er sie klammheimlich in einen der Kartons gepackt, weil er einfach helfen und mir eine Freude machen wollte. Er sah nur: Päckchen für mich. Und dachte, ich freue mich, es beim Auspacken zu entdecken.

Ich verzweifelte derweil, weil ich täglich meine Mutter fragte, ob die Quartettkarten da sind. Sie verneinte. Weil sie ja nicht wusste, dass sie längst da sind und bereits in einem Karton steckten. Erst, als sie mit der Restfamilie darüber sprach, ob meine Karten nicht von der Post gefressen wurden, kam die Wahrheit ans Licht.

Da war ich bereits seit ein paar Tagen in Verzug und Verzweiflung. Aber hey, immerhin hat die Post sie nicht gefressen, dann muss ich eben warten, bis die Umzugskartons bei mir sind. Dachte ich jedenfalls.

Da waren nämlich tatsächlich die Quartettkarten drin – aber nicht die Feenbriefe. Die würden meine Eltern so mitbringen, sie hatten es verpeilt. Noch mal vier Tage warten.

Als ich dann Briefe UND Quartettkarten hatte, das große Eintüten und Umschläge ablecken endlich hinter mir hatte und es sogar mit viel Organisationsaufwand geschafft habe, mir vor einem Tagesausflug die Zeit rauszuschinden, um zur Post zu fahren … Sagen wir, die Post von Österreich nach Deutschland ist etwas teurer, als ich vermutet habe und es gab ein kleines Intermezzo.

Dialog in der Postfiliale

Postdame: Das macht dann [exorbitante Summe].

Ich: Kann man auch mit Karte zahlen?

Postdame: Wir haben kein Kartenlesegerät.

Ich: Oh. Okay. Ich habe Bargeld. (Wühlt in der Brieftasche herum. Findet exorbitante Summe minus 10€ und 50Cent.) Ich habe nicht genug Bargeld bei mir. (Schaut sich hektisch um. Keiner sonst da.) Ich rufe mal meinen Freund an. (Betätigt Smartphone) Duuu, kannst du mal herkommen?

Freund: Hast du dich verlaufen?*

Ich: Äh, nein. Ich habe zu wenig Geld.

Freund: (kommt rüber) Was fehlt dir denn?

Ich: 10€ und 50 Cent.

Freund: (legt fehlendes Geld hin und schleift mich zum Bankomat)

Das wäre also auch beinahe schiefgegangen. Und als wäre das nicht genug, kamen die Briefe, die schon am Samstag (letzte Woche) eintrudeln sollten, dann frühestens am nächsten Mittwoch an. Nachdem wir schon das Cover veröffentlicht und das Märchen verraten haben, weil sich die Pläne sonst hinten und vorne nicht ausgegangen wären.

Fazit zum Thema Selfpublishing?

Bei allen Katastrophen … Es gefällt. Ich habe Spaß, auf Facebook Sachen zu posten oder auf Twitter zu berichten. Ich poste sogar wieder was auf Instagram. Trotz all der Dinge, die schiefgehen, trotz all der Dinge, die meinen Tag gerade füllen, bin ich am Ende des Tages zwar vollkommen erschöpft, aber glücklich.

Ich bin selbstironisch, poste Dinge, die ich mich früher nicht im Social Media zu posten gewagt hätte und fühle mich unbefangener. Es macht Mut, mich mit anderen auszutauschen und herauszufinden, dass nicht nur bei mir nicht alles glattläuft.

Dass man kein Vollprofi sein muss, um SP zu wagen und wir alle gelegentlich Quatsch machen, aber am Ende kommen trotzdem gute Bücher dabei raus.

Und dass es Leute gibt, die jetzt schon das Cover lieben, den Klappentext. Die wissen wollen, was ich schreibe. Mein Buch kaufen wollen. Einige als Print.

So direktes Feedback macht regelrecht freudentrunken und ich hätte mir nie vorgestellt, dass sich das so fantastisch anfühlt.

Das wird auf alle Fälle nicht das letzte Mal sein, dass ich ein Projekt von Anfang an für den Selbstverlag schreibe. Dafür macht es zu großen Spaß.

*Eine vollkommen berechtigte Frage, ich verlaufe mich sogar in Wohnhäusern. Zwischen dem geparkten Auto und der Post waren es ganze fünfzig Meter, auf denen ich hätte verlorengehen können…

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