Gewalt und Tod – und warum sie in meinen Büchern so präsent sind

Gestern stolperte ich zufällig über den Tweet einer Autorenkollegin, Magret Kindermann. Sie fragt in ihrer Timeline.

Natürlich fühle ich mich sofort angesprochen, denn in meinen Geschichten passieren schlimme Dinge. Oder sind schlimme Dinge gerade passiert und nun sind alle traumatisiert. Oder sie sind kurz davor, zu passieren. Wenn ich ehrlich bin, fällt mir außer „Hase im Pfeffer“ überhaupt keine Geschichte ein, in der nicht irgendein tragisches oder gewalttätiges Ereignis über den Figuren schwebt, also dachte ich, ich stürze mich in die Debatte. Und habe zwei weiterführende Fragen von Magret erhalten:

Meine Antworten – und eine Innenschau

Ich bin nicht sonderlich fasziniert von Gewalt. Im Gegenteil. Ich finde Gewalt in jeder Form abstoßend. Das ist für mich einer der Gründe, über Gewalt zu schreiben.

  • Gewalt ist hässlich.
  • Gewalt hat hässliche Folgen.

Und ich möchte ganz analytisch diese Folgen in all ihrer hyperrealistischen Hässlichkeit zeigen. Wenn in einer Fantasygeschichte jemand mit dem Schwert durch einen Gegner schnetzelt, dann macht das etwas mit dem betroffenen Körper. Und zwar nicht nur, wie in vielen Filmen dargestellt, dass der Körper umfällt und vielleicht ein bisschen zuckt. Da passieren ziemlich viele ekelhafte Dinge, die auch Spuren auf der Seele der Angreifer*innen hinterlassen (selbst wenn sie während der Schlacht im Überlebensmodus sind – was passiert danach? Sehen sie die entseelten Augen aller Gegner*innen? Verfolgt das Gefühl von spritzendem Blut auf der Haut sie bis in ihre Alpträume? Fühlen sie sich je wieder sauber? Was macht diese Erfahrung mit ihnen?).

Sonst haben wir ein unrealistisches Bild von Gewalt. Ein Klamaukbild à la „Tom & Jerry“, bei dem selbst die schlimmsten Dinge letztendlich folgenlos bleiben, weil sich Katze und Maus am Ende vor dem Publikum verbeugen und weitermachen. Im Ernst. Ich habe mal eine Folge gesehen, in der Jerry Tom seinen eigenen Bauch serviert hat und der hat dann einfach Stücke aus seiner eigenen Bauchdecke rausgeschnitten und gegessen. Kein Scherz. Und das hatte keine größeren Folgen für Tom. Das ist bei Kindern noch irgendwie vertretbar, weil Kinder einen ganz anderen Blick auf Gewalt z.B. auch in Märchen haben als Erwachsene. Was für Erwachsene problematisch ist, ist es für Kinder nicht zwingend auch. Aber Medien für Erwachsene sollten dann doch etwas andere Ansprüche an den Realismus haben.

Durch die Verharmlosungen in Film und Fernsehen – die durchaus verständlich sind, manche Dinge WILL ich echt nicht sehen, da reicht die symbolische Andeutung – schleichen sich übrigens auch Fehler in Bücher ein. Ich war überrascht, wie leicht beispielsweise in Wirklichkeit so ein Kieferknochen bricht – habe ich erst im Lektorat von „MV“ erfahren, dass die Verletzungen, die ich meinen Charakteren da zugefügt habe, mehr Folgen haben, als von mir beschrieben. Da muss man als Autor*in extrem aufpassen, um nicht versehentlich selbst einen Filmmythos weiterzutragen.

Ich möchte, dass meine Leser*innen genauso angeekelt und abgestoßen sind, wie ich. Dass sie im besten Fall durch die Lektüre zu Gegner*innen von jeder Gewalt im realen Leben werden, zu Gegner*innen von Kriegen in der Welt. Klingt nach einem hehren Ziel, oder?

Gewalt ist nicht nur Geschnetzel und Tod ist nicht immer Gewalt

Auch wenn dies die offensichtlichsten Manifestationen von Gewalt sind und die, die am leichtesten darzustellen sind – es gibt so viel mehr.

Menschen können auch ohne Fremdeinwirkung sterben und dann ist der Tod nicht immer etwas Grausames. Außer für die Hinterbliebenen.

Und Gewalt ist nicht immer körperlich. Sie kann auch verbal und psychisch sein, dabei so subtil, dass sie nicht immer als solche erkannt wird. Ich arbeite in meinen Romanen häufig auch mit Mikroaggressionen, Xenophobie, Gewalt auf verbaler Ebene (die von Täter*innen oft nicht als solche erkannt wird), mit Mobbing und subtiler Unterdrückung.

Mein Ziel ist, in einer fiktionalisierten Umgebung reale Probleme aufzuzeigen und sie durch Überzeichnung erlebbar zu machen, somit die Leser*innen dazu anzuregen, sich mit dem eigenen Verhalten auseinanderzusetzen und zu hinterfragen, ob man selbst z.B. schon Mikroaggressionen gegenüber Menschen getätigt hat.

Sterben gehört zum Leben dazu

Eine Tatsache, mit der ich von Kindesbeinen an konfrontiert wurde. Ich war fünf, als mein Urgroßvater eines Tages … einfach nicht mehr auf seinem Sofa lag, als ich mit meinen Eltern zu Besuch gekommen bin. Das war sehr surreal.

Aber auch die Kindermedien zeigen Werden und Vergehen als etwas, das ein ganz normaler Teil des Lebens ist und nicht tabuisiert werden sollte.

Hier eine kleine Liste an Medien, die ich zwischen dem Alter von drei und zehn Jahren konsumiert habe und die sich mit dem Tod oder der Todesgefahr beschäftigen

  • Der König der Löwen – Mufasas Tod und Simbas Trauer hatten auf mich einen prägenden Eindruck
  • Das Dschungelbuch – die Trickfilmversion aus der Sowjetunion zeigt, anders als die verniedlichende Version von Disney, sehr viele Facetten der Originalgeschichte. Nicht nur Moglis kindlicher Kampf ums Überleben unter Wölfen (und Menschen, die sich als die größeren Monster erwiesen haben) und Riki Tiki Tavis Kampf gegen das Schlangenpärchen haben mich schon als Kind tief beeindruckt.
  • Ronja Räubertochter – denn im Leben der Räuberbande ist der Tod allgegenwärtig. Der Abgrund, über den Ronja springt, hat mich immer sehr beeindruckt (ich hätte mich nicht getraut, zu springen) und auch wenn ich die Stelle inzwischen symbolisch lese – der Sprung über den eigenen Schatten, der psychische Tod des alten (vorurteilsbehafteten) Ichs … Als Kind war da für mich vor allem die banale Gefahr, hineinzufallen. Ronja bricht im Schnee ein und kommt nicht mehr los, ihr droht das Erfrieren. Und es gibt Monster, die einem Kind gefährlich werden können. Später, als Ronja und Birk alleine im Wald leben, ist es der Tod eines Tierbabys, durch den sie mit Milch versorgt werden.
  • „Krücke“ von Peter Härtling – ein Roman, der nach dem Zweiten Weltkrieg spielt.
  • Ein Buch, von dem ich nicht mehr weiß, wie es heißt und von wem es ist, in dem es aber um einen Opa geht, der 1,90m groß ist, sich verliebt und dessen Enkel später seinen zunehmenden geistigen Verfall miterlebt.
  • „Das Pferdemädchen“ von Alfred Wellm, das mir schlicht das Herz gebrochen hat, als ich es als Kind gelesen habe. Die Protagonistin hat eine alte und blinde Stute, die ihr Vater vor dem Schlachter gerettet hat. Als die Stute fohlt, muss sie sich entscheiden, ob sie die Stute oder das Fohlen behalten kann – und falls sie sich für das Fohlen entscheidet, muss die Stute sterben.
  • Und natürlich habe ich mir viele Märchen vorlesen lassen. In denen ging es auch nicht immer … gewaltfrei zu.
  • Die Trickfilmfassungen unter anderem von „Superman“, „Batman“, „Spider-Man“ und anderen Superheldenserien der 90er ebenso wie Darkwing Duck.
  • Sailor Moon – wo in Staffel 1 des Animes erstmal alle gestorben sind.
  • Eine Schullektüre, an deren Titel und Autor*in ich mich nicht mehr erinnern kann, in der aber ein pummeliges Mädchen neu in der Klasse ist und sich gerne den coolen Kids anschließen würde, aber dazu erstmal eine Mutprobe bestehen muss – vom drei (oder fünf) Meter hohen Sprungbrett im Schwimmbad zu springen. Für diese Mutprobe übt das Mädchen an einem verlassenen Steg, was dazu führt, dass sie unglücklich aufkommt und von nun an auf den Rollstuhl angewiesen ist. Die Bande der „coolen Kids“ muss sich nun der Tatsache stellen, dass durch ihre Handlung ein Mädchen schwer zu Schaden gekommen ist.
  • bestimmt habe ich etwas vergessen.

Als ich angefangen habe, meine eigenen Geschichten zu erzählen, so mit acht, war es für mich daher beispielsweise selbstverständlich, dass meine Alien-Superheldinnen sterben konnten. Oder dass sie auf die Erde kommen, weil ihr Heimatplanet zerstört wurde, wobei alle ihre Geschwister und Freunde ums Leben gekommen sind. Nun müssen sie deren Wiedergeburten auf der Erde finden und erwecken, damit sie ihr Alien-Ich wiederfinden.

Geschichten, in denen die einzigen Probleme der Protagonist*innen in vergessenen Hausaufgaben oder doofen Mitschüler*innen bestehen, haben mich weder als Leserin noch als Autorin besonders gereizt. Das sind Dinge, die ich in meinem eigenen Leben sowas von über hatte, da musste ich nicht auch noch davon lesen oder schreiben.

Aber darum war es für mich keine bewusste Entscheidung, Tod und Gewalt in meine Werke einzubauen. Es geschah einfach von selbst. Weil Tod und Gewalt Teil des Lebens sind und ich das Leben in all seinen Facetten ausleuchten möchte beim Schreiben.

Katharsis

Ich bin eingefleischte Atheistin, aber es gibt Dinge, an die ich ganz fest glaube.

Dazu gehört die Theorie, dass Menschen biologisch gesehen, ähnlich wie z.B. Axolotl nie wirklich erwachsen werden. Es ist eine Eigenschaft von Jungtieren, dass sie viel spielen und viel lernen, aber sich Spieltrieb und Lernfähigkeiten im Laufe des Erwachsenenwerdens beim adulten Tier zunehmend verlieren.
Dafür spricht nicht nur, dass auch Menschen ein Leben lang gerne spielen und lernen, sondern auch, dass Menschengesichter mehr Ähnlichkeit mit den Gesichtern der Jungtiere von Primaten haben, als mit den erwachsenen Tieren. Wir bilden uns quasi nie zu Vollaffen aus.
(Ich würde die Theorie gerne verlinken, aber Google ist störrisch und rückt keinen guten Link dazu raus).

Die nächste Theorie ist von mir und besagt, dass Lesen eine Form des Spiels ist. Wenn wir spielen, dann üben wir im Grunde genommen Handlungen und in gewissem Maße auch Emotionen in einer sicheren Umgebung (in der man nicht wirklich schwer verletzt wird oder sterben kann, sondern nur so tut als ob), trainieren soziale Interaktionen und schulen somit Körper und Geist. Das gilt für Tiere und Menschen gleichermaßen.
Wenn wir lesen, dann passiert genau das. Wir selbst bleiben gefahrlos auf dem Sofa sitzen, während wir uns mit Eddard Stark nach Königsmund begeben, um einen Mord aufzuklären. Der Ring kann uns nicht korrumpieren, wenn Frodo ihn an den Finger steckt. Wir laufen nicht Gefahr, von Nagini gebissen zu werden, während wir mit Harry zusammen Voldemort belauschen.
Lesen ist Spielen für den Geist. Indem wir mit den Charakteren mitfiebern, uns an ihnen spiegeln, können wir gefahrlos unzählige Dinge erleben, ein Wechselbad der Gefühle durchleiden und an die Grenzen unserer Moral stoßen, wenn wir uns mit den Charakteren entscheiden, was der richtige Weg ist und was der Bequeme. Es gibt Themen, bei denen ich so intensiv in die Geschichte schlüpfe, dass ich sie kaum ertragen kann.

Beim Schreiben ist es das Gleiche. Auch da kann ich nur dann alles geben, wenn ich all diese Emotionen – Trauer, Wut, Ekel, Liebe, Freude – selbst durchlebe und sie an meine Charaktere weitergebe. Aber auch da ist das Schlimmste, das mir passieren kann, ein Sturz vom Schreibtischstuhl.

Ich spiele. In einer sicheren Umgebung gehe ich beim Lesen und Schreiben an die Grenzen des für mich Erträglichen und schaue, was sich dort verbirgt. Schaue, wie weit ich gehen kann, ehe es zu viel wird. Es ist eine unfassbar intensive Erfahrung. Oft auch eine, die tierisch wehtut. Und oft tun meine Charaktere Dinge, die mich zittern lassen vor Wut und Ekel. Aber da muss ich durch. Sie wollen es so.

Galgenhumor

Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass es unter anderem die flapsige Art ist, auf Twitter „Oh, ich habe schon wieder einen Charakter getötet, haha!“ zu posten, die auf Befremdlichkeit stieß.

Das verstehe ich gut.

140 Zeichen – hoffentlich kriegen wir bald alle die 280 – sind sehr wenig und in der Kürze geht immer wieder viel Subtext flöten. Subtext, den ich im Kopf habe, der aber bei den Leser*innen nicht zwingend ankommt.

Mit diesem Tweet habe ich einen Teil meiner Timeline – alle, die nicht selbst Autor*innen sind – zutiefst verstört. Es wirkt, als würde ich mich über die Todesarten lustig machen. Oder über Opfer. Dabei war es wirklich nur eine Erleichterung darüber, dass ich mich – nachdem mich das ungelogen stundenlang beschäftigt habe – eine Lösung gefunden habe, die für den Plot, für mich und für die  von mir gewünschte symbolische Aussage funktioniert. Vollgepumpt mit Endorphinen, habe ich also diesen Tweet auf die Welt losgelassen.

Kontext war btw: Nachdem der Bruder des Romancharakters die Familie entehrt hat, haben die Eltern der anderen Kinder alle Nachkommen, die noch nicht strafmündig sind (in diesem Roman: Mädchen unter 13 und Jungs unter 15) losgeschickt, um in einem Lynchmob die Kinder der entehrten Familien zu töten. Ich brauchte also etwas, was unfassbar grausam und drastisch ist, aber gleichzeitig auch das Szenario erlaubt, bei dem der Romancharakter gerettet wird und eine für den Plot zentrale Nahtoderfahrung hat.

Das wirkt, als würde ich mich in der Gewalt suhlen. Tatsächlich war ich nur ob der Lösung sehr erleichtert. Und habe beim Schreiben bitterlich geweint. DARAN erinnere ich mich gut.

Dazu zwei meiner Tweets von gestern:

und außerdem:

Klingt schräg, aber mich füllt das mit unfassbar vielen Endorphinen. Mir geht es vom vielen Hineinfühlen richtig dreckig, aber gleichzeitig bin ich unfassbar glücklich, dass ich mich selbst so stark in die Emotionen reinsteigern konnte, wie ich es getan habe. Denn dann weiß ich, dass diese Szene auch Leser*innen berühren wird. Und das ist das, was ich erreichen möchte. Der Zustand fühlt sich absolut schräg an, aber es ist, wie es ist.

Warum also schreibe ich Geschichten, in denen Gewalt und Tod oft eine wichtige Rolle spielen?

  • Weil beides leider zum Leben gehört und etwas Normales ist, was auch so behandelt werden sollte, statt aus jedem einzelnen Tod in einer Geschichte ein Riesendrama zu machen. Gerade in der Kinderliteratur. Bitte, bitte, nicht verharmlosen! Sonst fällt das Kind aus allen Wolken und ist völlig unvorbereitet, wenn etwas Schlimmes in der eigenen Umgebung passiert. Behutsame Geschichten, in denen der Tod Teil des Lebens ist, können das Kind viel besser darauf vorbereiten, mit beispielsweise Todesfällen in der Familie umzugehen. Da sehe ich den gegenwärtigen Trend, Kinder nur noch mit rosaroter Glitzerliteratur zu traktieren, extrem bedenklich.
  • Weil in meinen Augen eine Tabuisierung dieser Themen nur die Täter*innen stärkt (wie es beispielsweise bei Vergewaltigungen der Fall ist) und ich fest daran glaube, dass es als Opfer leichter wird, das anzusprechen, was einem angetan wurde, wenn man es in der Literatur gespiegelt findet und lesen kann, wie andere damit umgegangen sind. Wenn man erfährt, dass man nicht der einzige Mensch auf Erden ist, dem dieses Schlimme widerfahren ist und somit Kraft schöpfen kann, sich in Geschichten wiederfinden kann.
  • Weil ich eine Katharsiswirkung darin sehe, Menschen an die Grenze dessen zu treiben, was sie lesen können. Auch auf die Gefahr hin, diese Grenze bei einigen Menschen zu überschreiten. Es tut mir leid. Ich will niemanden verletzen oder triggern. Wirklich nicht. Sprecht mich darauf an, wenn es euch wegen meiner Texte schlecht geht.
  • Weil ich finde, dass Literatur die Welt verändern kann. Und wenn ich in meinen Büchern ein realistisches Bild von Krieg, Hunger, Gewalt, Tod, Elend zeige, dass dies eine präventive Wirkung hat oder zumindest zur Selbstreflexion führt.

Danke, liebe Magret, dass du mich zum Nachdenken angeregt hast. Es ist ein Thema, das mir seit langem auf der Seele brennt, aber ich hatte nie einen Grund, in mich zu gehen und mich zu fragen, wieso ich überwiegend „solche“ Geschichten schreibe.

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9 Gedanken zu “Gewalt und Tod – und warum sie in meinen Büchern so präsent sind

  1. Zur Theorie, dass Lesen eine Form des Spiels ist – „Wired for Story“ von Lisa Cron beschäftigt sich ausführlich damit, wie Lesen und Geschichten erzählen auf die Psyche wirkt und uns ermöglicht, alle möglichen Szenarien gefahrlos zu erleben und durchzuspielen, um besser für den Ernstfall gerüstet zu sein. Einer meiner liebsten Schreibratgeber 🙂

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    1. Echt? Das war wirklich meine persönliche Spinnerei, ich hatte keine Ahnung, dass es darüber bereits ein Sachbuch gibt *-*
      Sowas interessiert mich natürlich sehr, ich habe ja über die Erzähltheorie auch meine Bachelorarbeit geschrieben.
      Danke für den Buchtipp!

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    2. Stephen King erwähnt auch einmal irgendwo, dass er Horror schreibt, weil er vor vielen Dingen grosse Angst hat, z.B. davor, dass seiner Familie etwas zustösst.
      Die Monster in seinen Horrorgeschichten kann er kontrollieren, daher gibt ihm das das Gefühl, die Angst (zumindest vorübergehend) im Griff zu haben.

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  2. Was für ein toller Artikel, Evanesca! Danke dafür.

    Ich sehe das ganz ähnlich wie du. Auch in meinen Geschichten sind Gewalt und Tod allgegenwärtig, was vielleicht mit meinen persönlichen Erfahrungen zusammenhängt – vielleicht aber auch gerade daher rührt, dass wir im „wirklichen Leben“ so große Anstrengungen unternehmen, sie uns vom Hals zu halten. Damit will ich nicht sagen, dass ich das grundsätzlich für verkehrt oder gar verdammenswert halte. Ganz im Gegenteil. Niemand sollte die Erfahrung machen müssen,Gewalt ausgeliefert zu sein.
    Aber wenn eine Mutter ihrem Kind den Umgang mit seiner besten Freundin unterbindet, weil die totkrank ist, um das Kind vor traumatischen Erfahrungen zu bewahren, dann läuft was verkehrt. Genauso, wie etwas verkehrt gelaufen ist, wenn ein Mensch mit über zwanzig das erste Mal mit dem Tod eines anderen konfrontiert wird.
    Tod ist kein Abstraktum. Er ist integraler Bestandteil des Lebens und schon deshalb muss man darüber reden. Genauso, wie man über Gewalt und ihre Folgen reden muss, um sie zu kontrollieren. Anderenfalls wird sie zu dem, was du beschrieben hast: Zum ästhetischen Stilmittel im Film, zum Nervenkitzel im Computerspiel und letztlich zum legitimen Mittel bei Auseinandersetzungen. Man muss über Gewalt reden, um das Tabu aufrecht zu erhalten.

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    1. Awww, danke für das Lob!

      Und: Genau das, was du hier nennst, genau DIE Beispiele sind es, die ich im Hinterkopf hatte, als ich den Artikel schrieb.
      Das mit dem todkranken Kind und dem Umgangsverbot als „Schutz“ klingt furchtbar. Und ja, wenn man mit 20 das erste Mal mit dem Tod in Berührung kommt, ist das sehr spät und ich denke mir, dann umso traumatischer. Man ist ja kein bisschen seelisch vorbereitet.
      Es ist genau das. Nur durch das Zeigen, darüber reden etc. kann man eine gesunde Auseinandersetzung überhaupt ermöglichen.

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      1. Die Beispiele sind übrigens nicht erfunden. Beides habe ich in meinem Bekanntenkreis erlebt und du hast mit deiner Einschätzung völlig recht: Die Person, die mit über 20 zum ersten Mal mit dem Tod in Berührung kam, war am stärksten davon traumatisiert.

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  3. Sterben, der Tod und leider auch die Gewalt – ja, das gehört alles zum Leben dazu. Ich finde es sehr faszinierend, wie Du Dich in diesem Beitrag damit auseinander gesetzt hast und es hat mir an einigen Stellen nochmal etwas zum nachdenken gegeben. Danke dafür! 😀

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