Von Türen, die sich schließen und Fenstern, die sich öffnen

Okay. Ich gebe zu, dass ich diesen Beitrag seit Wochen vor mir herschiebe. Weil ich es hasse, unangenehme Neuigkeiten zu verkünden, aber eigentlich sind sie nur zur Hälfte unangenehm und ich bin gerade in einem so chaotischen Zustand, dass ich denke: Wenn nicht jetzt, wann dann?

Kein Versand mehr nach Deutschland – eine Tür schließt sich

Es hat sich abgezeichnet. Für mich war der Versand nach Deutschland ohnehin lächerlich kompliziert. Um es genau zu sagen:

  • Ich musste rechtzeitig einen der halbstündlich fahrenden Busse aus dem Dorf zum nächsten Bahnhof erwischen
  • von dort aus einen Anschlusszug, der mich bis nach Lindau führt, die nächstgelegene deutsche Stadt
  • in Lindau bin ich dann zu Fuß zur nächsten Postfiliale gelaufen (GPS sei dank) und dann wieder zurück
  • im besten Fall war ich gegen 14 Uhr zu Hause

Auf dem Lande sind Wege eben ein bisschen länger. Aber hey. Dafür hat das Porto trotzdem nur 1€ gekostet, statt 6-10€, wie ich es zahlen müsste, wenn ich eure Bestellungen bequem zur Dorfpost bringen könnte. (Mal ganz abgesehen davon, dass ich das Porto draufschlagen muss, auch die 1€, weil ich es mir derzeit nicht erlauben könnte, es zu verschenken).

Manchmal konnte ich das Rausfahren vermeiden, indem ich das Buch beispielsweise meiner Familie mitgegeben habe, die es dann von Deutschland aus verschickt hat oder indem ich selbst aufgrund einer Buchmesse da war.

Dann kam das neue Verpackungsgesetz. Versteht mich nicht falsch – ich bin absolut für die Umwelt. Aber bei dem bisschen, was ich als Selfpublisherin an Einnahmen habe – besonders für Print – frisst eine noch so kleine Jahresgebühr einfach zu große Teile vom Küchlein. Selbst auf eigene Kosten zu drucken, um zum Ladenpreis (Buchpreisbindung!) aber mit höherer Marge für mich zu verkaufen, funktioniert damit nicht mehr. Und vor allem: Es rentiert sich nicht.

Ich habe 2017, als „Zarin Saltan“ erschienen ist, insgesamt 11 Prints verschickt (davon waren zwei Exemplare kostenlos, da ich sie an Blogs für Verlosungen gesendet habe, sprich: Ich hatte zwar Druck- und Versandkosten, aber keine Einnahmen). 2018 verschickte ich noch genau 2 Bücher. Lohnt sich das?

Nope.

„Schwarz“ verschicken will ich aus Prinzip nicht. Dafür bin ich eine zu gesetzestreue Bürgerin. Die einzige logische Folge ist also: Ich verschicke gar nicht mehr in/nach Deutschland. Entsprechende Passagen habe ich mittlerweile auf der entsprechenden Unterseite abgeändert.

Die Sache mit den Buchläden

Ich habe mich bisher nie darum gekümmert, meine Bücher in den Buchladen zu bekommen oder auch nur ins VLB – aus diversen Gründen. Als ich „Zarin Saltan“ veröffentlichte, stand kurz im Raum, ob ich mir einen ISBN-Kranz leiste und wenn ja, mit wie vielen Nummern, weil Einzel-ISBN so absurd teuer sind, dass es lächerlich ist? Will ich dafür in einen Verband, weil man dann die ISBNs wesentlich billiger kriegt in Österreich? (Aber das kostet wiederum Geld und ob ich mich mit dem Verband assoziieren kann und die mich überhaupt nehmen und bla…). Damals wusste ich nicht, ob und wann ich nach der Zarin überhaupt ein Selfpublishing-Buch machen würde. Dass ich nur zwei Wochen später anfing, eins zu schreiben … Okay, dann mache ich vielleicht zwei und einzelne ISBN-Dinger sind absurd teuer, also …

Dann ging es sich aus Gründen nie aus und ich habe eine Palette Zarinnen geordert, die erst nach der FBM/dem BuCon, auf dem ich sie eigentlich verkaufen wollte, bei mir eintrudelten. Super. Nicht. Da saß ich mit extra vielen Büchern, weil ich mich auf das Messegeschäft verlassen habe und dachte  „Da sind sie taufrisch und gehen bestimmt gut weg“. Jetzt haben wir 2019 und sie sind nicht mehr frisch. Und ich habe immer noch zu viele davon. Seufz.

Was übrigens auch der Grund war, nicht über einen Distributor, sondern über Create Space zu gehen. Weil es sich finanziell am Schönsten ausnimmt, eine große Zahl bei z.B. bookfactory zu ordern und die auf Messen selbst zu verkaufen, statt beim Distributor, wo die gleiche Menge Bücher eine*n doch wesentlich teurer kommt. Habs durchgerechnet.

Und ansonsten, gebe ich zu, habe ich einfach nie an das Heilsversprechen vieler Distributoren geglaubt, mein Buch sei automatisch im Buchladen, nur weil Buchläden es theoretisch bestellen könnten. Falls ihr noch eine Buchhandlung eures Vertrauens habt (ich leider nicht), könnt ihr ja hingehen und schauen, ob dort Print-on-Demand-Titel im Regal stehen und wenn ja, wie viele. Also dachte ich, könnte ich auch genauso gut darauf  verzichten. Bringt eh nichts. Zu kleines Licht, zu unbekannt, bla.

Ein Fenster öffnet sich

Dass ich meine Bücher nur noch unter größerem Aufwand selbst verschicken kann und es darum nach Deutschland nicht mehr werde, stellte mich vor ein reales Problem. Auf einmal sind meine Bücher für alle, die aus irgendeinem Grund Amazon nicht nutzen können oder wollen und die gleichzeitig auf Print angewiesen sind, nicht vorhanden. Wenn diese Menschen dann zusätzlich nicht in der Lage sind, zu den Messen zu fahren, auf denen meine Prints ausgestellt werden … Gute Nacht. Ich bin nicht mehr verfügbar.

Es gibt immer einen Weg.

Für „Der tote Prinz“ bin ich mit dem Machandel-Verlag, der unter anderem auch die Anthologie der Märchenspinnerei vertreibt, eine Kooperation eingegangen. Damit ist das Buch in D/A/Ch im Buchladen, bei Amazon und überall sonst, wo es Printbücher gibt, bestellbar. Mit „Zarin Saltan“ werde ich nachziehen, aber erst, wenn ich zumindest in Aussicht habe, meine Exemplare mal so langsam aufzubrauchen.

Einer der Gründe, aus denen „2145 – die Verfolgten“ immer noch kein Print hat, ist (neben Zeitmangel und gesundheitlichen Issues, die mich hindern, den von allen Dichterfürst*innen verfluchten Buchsatz endlich fertig zu stellen), dass ich einen Distributor gesucht habe. Aus Gründen kann ich dieses Buch nicht ebenfalls über Machandel vertreiben (hat was damit zu tun, dass das Buch ursprünglich bei einem anderen Verlag erscheinen sollte und nicht im SP). Hier muss ich allerdings abwarten, ob der von mir bevorzugte Distributor nicht von der KNV-Insolvenz und der geplanten Fusion von Thalia und der Mayerschen nicht gefressen wird.

Mit anderen Worten: Ja, ich kleine SP-Autorin muss die Branche gerade beobachten, weil von der Gesamtentwicklung meine Veröffentlichungen mit abhängen. Aber was tut man nicht alles :).

Wenn alles klappt, wie es soll, werdet ihr auch Avriel und seine Geschichte im Buchladen adoptieren können.

Drückt mir die Daumen, Leute.

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4 Gedanken zu “Von Türen, die sich schließen und Fenstern, die sich öffnen

  1. Dann drücke ich die Daumen, dass alles klappt.
    Über das Verpackungsgesetz habe ich mir im Übrigen keine Gedanken gemacht, da ich grundsätzlich keine neuen Verpackungen für die zwei bis drei Bücher kaufe, die ich im Jahr verschicke. Das Resultat ist ein unschöner Stapel Kartons und Blisterfolie in meinem Wohnzimmer, aber besser, ich verwende so Krams nochmal, als wenn er gleich im Altpapier bzw. Kunststoffmüll landet.

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    1. Vielen Dank! Bisher sieht es tatsächlich recht gut aus :D.
      Ich habe ja kurz vor der Veröffentlichung von „Zarin Saltan“ ganz frisch einen neuen Haushalt gegründet und hatte keine alten Umverpackungen, die ich nutzen könnte. War alles ganz neu und frisch, also habe ich mir so einen 100er Pack mit Luftpolsterumschläge gekauft, braucht man ja auch für andere Dinge manchmal …
      Tja, der steht jetzt im Keller und ob ich den jemals aufbrauche …

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