Fantasy und Ostern – Osterfantasy?

Gestern konntet ihr bei Anna-Lena Strauß etwas zu Portalen lesen. Heute geht es bei mir um Fantasy. Zugegeben – das Thema ist etwas ungewöhnlich … aber mir schien es irgendwie seltsam, im Rahmen einer Blogtour zum Thema „Ostern“ nur über Fantasy zu schreiben. Warum also nicht beides verbinden?

Ich weiß, dass es eine recht erkleckliche Menge an Weihnachtsromanen gibt. Wenn man bei Amazon ein bisschen wühlt, findet man sogar die entsprechende Kategorie. Dort gibt es alles – Leseadventskalender, Fantasy, Erotik … Alles. Für jedes Zielpublikum. Wie sieht es nun mit Ostern aus?

Nachdem ich ein bisschen gewühlt habe, fand ich die Kategorie „Ostern für Kinder“ – dort finden sich auf der ersten Seite mehrere biblische Kinder- und Bilderbücher, ansonsten viel mit Osterhasen und Eiern. Soweit ich es beurteilen kann, ohne mir jedes Buch einzeln anzuschauen, sind sie dabei meist an die Jüngeren gerichtet. Ein Janosch-Buch für Kinder zwischen acht und zwölf sticht da sogar bereits heraus. Auf den ersten sieben Seiten der Suchergebnisse jedenfalls nichts, was ältere Kinder oder gar Jugendliche reizen würde.

Okay, zweiter Versuch. Gehen wir zu „Fantasy und Science-Fiction“ und geben dort mal Ostern als Suchwort ein. Das ergab genau drei Seiten mit Suchergebnis (bei den Kinderbüchern waren es 62). Einige davon sind nur aufgeführt, weil im Artikelnamen aus irgendeinem Grund noch drölfzig Keywords enthalten sind. Dazu zwei Beispiele von Seite 1, wobei ich den Namen des Artikels entfernt habe:

Ausmalbuch für Erwachsene, Klassiker, Vintage, Old fashion, Malen, Färben, Kolorieren, Ausmalen, Zeichnen, Freizeit, … Geburtstag, Geschenk, Ostern, Bestseller

Ein lustiges Notizbuch mit ganzen 100 linierten Seiten im tollen 6×9 Zoll Format (ca. DIN A5). […] … Ostern oder zum Geburtstag. […] lustig

Insgesamt finden sich auf Seite 1 der Suchergebnisse 10 Positionen, die nur aufgrund des Keywordspams dort zu finden sind.

Bei anderen frage ich mich, warum sie bei den Suchergebnissen aufscheinen (beispielsweise „Das Wolkenschloss“ von Kerstin Gier), obwohl weder im Titel noch im Klappentext auch nur ein Wort zu Ostern steht. Ein Buch betitelt sich eindeutig als Weihnachtsroman mit Aliens. Zwei der drei Bücher, die was mit Ostern am Hut haben, sind Krimis.

Ernüchternd. Warum gibt es keine Fantasy-Geschichten, die in irgendeiner Weise mit Ostern zusammenhängen? Klar, man könnte Kindergeschichten über anthropomorphe Hasen darunter zählen – aber ich spreche explizit über Romane, deren Zielgruppe Jugendliche und Erwachsene sind.

Ich habe mit einigen Leuten darüber gesprochen, weil es mich interessiert hat und unterschiedliche Antworten erhalten. In dieser Auflistung finden sich die (thematisch sortierten) Statements und eigene Gedanken:

  • Ostern wird zwar zunehmend zum „zweiten Weihnachten“ (kommerzialisiert), ist aber noch nicht soooo entchristianisiert, wie es z.B. bei Weihnachten der Fall ist – weshalb ein Großteil der vorhandenen Literatur entweder Kindern die Bibel näher bringen soll oder sich mit Brauchtum beschäftigt.  Während Weihnachten mittlerweile gefühlt von allen (beispielsweise auch von mir :D ) gefeiert wird, unabhängig von der Konfession, ist Ostern in den Gedanken vieler Menschen stärker an den Glauben gebunden.
  • Ostern wird von Erwachsenen somit, stärker als Weihnachten, primär „für die Kinder“ gefeiert – sobald die zu alt für Osternester sind, dann gar nicht mehr (es sei denn, man ist gläubige*r Christ*in und feiert Ostern auch für sich – aber Atheist*innen wie ich tun dann nichts besonderes, außer Süßigkeiten zu mampfen). Wie eine Bekannte sinngemäß sagte: Erwachsene müssten sich ziemlich dämlich dabei vorkommen, Eier zu suchen, die sie selbst versteckt haben. Weihnachten dagegen lässt sich gut auch ohne Kinder feiern.
  • Während das Fasten vor Weihnachten sich nur noch in den Kirchen Osteuropas gehalten hat (siehe hier) und die Adventszeit – einst als Zeit der Buße gedacht – mittlerweile für Viele eher die Zeit des Schlemmens und Genießens ist, fasten vor Ostern nach wie vor alle kirchlichen Konfessionen, gerade gläubige Christ*innen werden in dieser Zeit vermutlich nicht gerade – Achtung, erfundener Titel – sowas wie „Der Osterhase gegen die Zombiearmee des Grauens“* lesen wollen.
  • Dadurch, dass es keinen wirklich fest definierten Advent mit „Oster-Countdown“ gibt, gibt es keinen so starken Konsumrausch – oder den Wunsch, sich mit passenden Romanen auf Ostern einzustimmen. Es gibt auch in der Regel keine großen, konfliktträchtigen Familienzusammenkünfte, bei denen sich die Familie schön fetzen kann. Auch andere Dinge, die in Weihnachtsromanen prominent sind, finden an Ostern nicht statt – es gibt keine groß angelegte „Osterbäckerei“ (auch wenn regional Gebäck durchaus eine Rolle spielt) und geschenkt wird an Ostern nach wie vor eher Süßes, sodass eine Charakterisierung der Romanfiguren über das Ge- und Verschenkte sich nicht im gleichen Umfang anbietet.
  • Die Ostergeschichte ist nicht gerade heiter – im Prinzip ist der Kern der Erzählung ein Verrat und der grausame Tod eines Menschen, unabhängig von den religiösen Aspekten. Das könnte dazu führen, dass Ostern kein besonders einladender Stoff für Romane ist.
  • Man kann über Weihnachten mittlerweile so ziemlich alles schreiben – die Reihe Pink Christmas (hier der mir bekannte neueste Teil zur Anschauung verlinkt) hat derzeit meines Wissens acht Teile und stellt homoerotische Geschichten über Männer zusammen. Der Blutwut-Verlag sucht aktuell Weihnachtsgeschichten, in denen es blutig und saftig zur Sache gehen darf, ich zitiere den Ausschreibungstext, da es keinen Permalink gibt:

Wir suchen Geschichten voller Blut und sonstigen Körpersäften um ein schaurig schönes Horror-Kurzgeschichten-Buch zum Thema Weihnachten zu veröffentlichen.

„Christmas, Bloody Christmas – Tödliche Weihnachtsgeschichten“ wird – wie der Titel bereits vermuten lässt – eine Anthologie mit Geschichten die in irgendeiner Weise mit Weihnachten zu tun haben. Ein Weihnachtsfest voller Schmerz, morbiden Spielchen, Splatter und Sex gepaart mit einem guten Schuss Wahnsinn.
  • Das waren nur zwei Beispiele, die mir spontan eingefallen sind, da ich recht rege an Ausschreibungen teilnehme (und aktuell an einer Kurzgeschichte für „Christmas, Bloody Christmas“ schreibe) Für Ostern sucht man solche Ausschreibungen derzeit (noch) vergeblich, hier geht es zahm und besinnlich zu. Die Menschen haben hier noch Hemmungen, mit dem Stoff zu arbeiten.

Dabei gibt es durchaus das Genre der christlichen Fantasy (ich habe beispielsweise hier ein Buch rezensiert), in der man dem Osterfest Beachtung schenken könnte. Aber entweder existiert nichts – oder ich habe es nicht gefunden.

In meinen eigenen Büchern spielten bisher weder Ostern noch Weihnachten eine Rolle. Das ist teilweise zufällig (die Handlung von „Zarin Saltan“ spielt in einem nicht näher definierten Zeitraum im Spätsommer, die von „2145 – die Verfolgten“ ebenfalls in einem genau umrissenen, kleinen Zeitraum – und im Sommer. „Gefangen im Dilemma“ spielt in einer fernen Galaxie, Feiertage der Erde sind in der gesamten Serie irrelevant und „der tote Prinz“ spielt in einer postapokalyptischen Zukunft).

Tatsächlich spielt die Entstehung des Osterfestes eine große Rolle im zweiten Band von #7Leben, meiner historischen Vampirfantasy. Das geht gar nicht anders, schließlich spielt dieser Band in der Regierungszeit von Augustus und die Ursprünge des Christentums bilden einen recht großen Teil der zweiten Buchhälfte.

Was ich mir wünschen würde, wäre der Mut zu mehr Ostergeschichten für Erwachsene. Fantasy. Ostern im Weltall. Werwölfe, die Osternester für ihre Geschwister verstecken. Mit anderen Worten: Ich wünsche mir mehr Mut zu Ostern in der Phantastik.

Oder übersehe ich etwas, weil ich falsch suche? Falls ihr passende Bücher kennt, würde ich mich über Links in den Kommentaren sehr freuen.

Morgen geht es bei Melanie Reinhardt mit Ostern allgemein weiter.

* Das ist schon irgendwie ein schmissiger Buchtitel. Will jemand das schreiben, damit ich das lesen kann? :D


Dieser Blogpost gehört zur österlichen Blogparade, ausgerichtet von Biblionatio.

Tag 1: Landkarten bei Andrea Ego
Tag 2: Anna-Lena Strauß mit Portalen
Tag 3: Katherina Ushachov mit Fantasy (also dieser Blogpost hier)
Tag 4: Melanie Reinhardt mit Ostern
Tag 5: Anne Müller mit Krimi
Tag 6: Eva Hechenberger mit Eiersuche
Tag 7: Luise Isover mit Rezept

Es gibt auch etwas zu gewinnen. Ist euch aufgefallen, dass ein Buchstabe im Blogpost selbst immer wieder fett unterlegt war? Notiert ihn euch, ihr braucht ihn für das Lösungswort am Ende ;-)

2 Gedanken zu “Fantasy und Ostern – Osterfantasy?

  1. Wahrscheinlich muss man gezielt mal zwei, drei Oster-Fanfics mit beliebten Pairings in die Welt setzen, dann wird das schon … Aber im Ernst, Ostern nehmen viele gläubige Christ*innen hierzulande doch eher ernst, und zwar so mit Tanzverbot und allem — die Shitstormgefahr ist/war höher. Und es gibt nicht so viel Familien-Trara und Legenden drumrum. Der Osterhase ist ein Sch* gegen den Weihnachtsmann mit den Elfen am Nordpol plus den heidnischen Überbleibseln wie der Wilden Jagd. Daher bietet sich das nicht an.

    Gefällt 1 Person

    1. Wenn ich jemals erotische Fanfiction schreibe, muss Ostern ein Prompt werden :D

      Wobei man sagen muss, dass Tanz/Aufführverbote etwas sehr Deutsches sind. Hier in Österreich wird sich jedes Jahr darüber beömmelt, dass die Leute in Deutschland das haben und sich jedes Jahr teils pseudokreativ darüber aufregen.
      Sehr wahrscheinlich hast du Recht – aber was nicht ist … :)

      Gefällt 1 Person

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