Märchensommer: Dies ist eine Rallyestation (und ein Blogpost)

Willkommen zur Märchenrallye im Rahmen des Märchensommers. Es gehört zur guten Tradition, dass ich auf diesem Blog eine Station zur Verfügung stelle, somit bin ich auch dieses Jahr wieder sehr gerne mit dabei.

Hier auf dem Blog geht es heute um das Thema „Schneewittchen“, dazu weiter unten mehr. Dieses Mal hat sich Anne Zandt etwas Tolles einfallen lassen – bei den Rallyestationen gibt es nicht nur Buchstaben abzuholen, ihr könnt auch eine Fortsetzungsgeschichte lesen. Einen Teil davon findet ihr bei mir.

Banner der Märchensommer-Rallye. Abgebildet ist ein aufgeschlagenes Buch auf einer sonnenbeschienenen Blümchenwiese. Die Schrift "Märchensommer-Rallye" wird von einer Feensilhouette beglitzert und in der unteren Ecke ist das Logo von PoiSonPaiNter.

 

 

 

 

 

Wer hier angekommen ist, darf sich also für das Lösungswort einen Buchstaben pflücken. Diesen hier:

Ein mit Ornamenten geschmücktes "I"

Viel Spaß mit eurem nächsten Leseabschnitt:

Es dauerte noch eine ganze Weile, bis sie endlich ein vernünftiges Band zustande gebracht hatten. In der Zeit war Reginas Mutter auch mit dem Brei fertig geworden. Die Rose hatte, soweit Regina das erkennen konnte, noch fünf Blätter. Wenn dieser Versuch nicht funktionierte, hatten sie eventuell eine zweite Chance von vorne anzufangen. Regina saß auf dem Boden vor Wolf, das Band und Breischüssel beäugte. Ihre Tante hatte sich zu ihrer Großmutter auf das Sofa gesellt, ihre Mutter lehnte mit verschränkten Armen im Türrahmen.
„Na dann mal los!“, forderte ihre Großmutter und Regina nahm das Band in die Hand.
Das Armband hatte sie Wolf um den Froschkörper angelegt, nun hing es ihm um den Hals. Ob sie es abnehmen sollte bevor es ihm bei der Rückverwandlung die Luft abschnürte? Bei ihrem Glück, würde es einen weiteren Verwandlungseffekt hervorrufen, für den sie keine Lösung parat hatten.
„Bind’s ihm locker ums Bein, dass sollte ausreichen“, schien ihre Großmutter ihre Gedanken zu lesen und Regina setzte den Vorschlag in die Tat um.
„Ok, dann, Guten Appetit.“ Sie schob den Breitopf dichter zu Wolf.
Er blickte zu ihr auf, dann auf die bräunliche Pampe, wieder auf und zischte.
„Du brauchst es nicht essen, wenn du ein Schwan bleiben willst“, schlug Regina vor und verschränkte die Arme.
Wolf schüttelte sich von Kopf bis Bürzel, dann steckte er den Schnabel in den Brei und machte ihn auf und zu.
„Ähm, kann es sein, dass du nicht weißt, wie Schwäne fressen?“, fragte Regina vorsichtig.
Wolf hob den Kopf, der Brei tropfte auf die Zeitung, die Reginas Mutter vorsorglich unter die Schüssel gelegt hatte. Sie starrten sich für einen Moment an, dann erklärte Regina: „Du musst es aufnehmen und dann den Kopf nach hinten machen zum Schlucken.“
Nach einem weiteren Moment tat Wolf, was sie vorgeschlagen hatte, allerdings fing er kurz darauf an heftig zu zittern.
„Wirkt es schon?“, fragte Reginas Großmutter aufgeregt.
„Nein! Er hat sich verschluckt!“, widerlegte ihre Tante und sprang über den Kaffeetisch.
Sie packte Wolf am Schnabel und zog den Kopf in eine grade Linie, mit den Beinen hielt sie seinen Körper. Ihre Hände wanderten den langen Hals entlang und mit ihr der Breiklumpen, der sich festgesetzt hatte.
„Beim nächsten bissen, machst du’s besser“, orderte Susi und ließ Wolf los, um sich auf den Boden zu setzen.
„Oh, vielleicht hat die Tube dafür ein Erklärvideo!“, rief Reginas Großmutter aufgeregt in die Runde.
„Youtube, Mutter, es heißt Youtube.“ Genervt stöhnte ihre Tante auf, während Regina bereits die Suchbegriffe in ihr Smartphone eintippte.

Was hat das Ganze mit Schneewittchen zu tun?

Noch nicht viel – aber meine Frage bezieht sich auf „Schneewittchen“ und da ich das Märchen sehr faszinierend finde, wollte ich euch etwas darüber erzählen.

Wusstet ihr beispielsweise, dass „weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“ gar nicht immer zum Märchen dazugehörten? Es existieren Fassungen, in denen dieser Textteil noch nicht vorkommt, es existieren neben der Version des Grimm’schen Märchenbuchs noch weitere (beispielsweise die russische, in der die Prinzessin zwar als „weißgesichtig und mit schwarzen Brauen“ beschrieben wird, aber jede beliebige Haarfarbe haben könnte – es war geläufig, sich die Brauen als Adelstochter nachzuziehen) und es existieren Gemälde, auf denen sie blond ist. Auch eine frühere Version der Grimms beschreibt ihre Haare als „gelb“.

Hans Makarts Gemälde "Schneewittchen erhält den Giftkamm" - besonders auffällig ist hier das blonde Schneewittchen, der Hintergrund ist diffus und schlecht zu erkennen.
„Gelb“ sind Schneewittchens Haare auch auf diesem Gemälde von Hans Makart (Wikimedia Commons)

Meine eigene Adaption bezieht sich nicht auf das Grimm’sche Schneewittchen, sondern auf Puschkins Kunstmärchen – „Das Märchen von der toten Prinzessin und den sieben Recken“. Ich habe die Handlung nach Kamerun versetzt – und postuliert, dass dieses Land einer der wenigen noch bewohnbaren Orte ist. Außerdem ist mein Schneewittchen männlich und heißt Dario.

In der russischen Variante kommt das Farbentrio „Weiß wie Schnee, rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz“ nicht vor – aber ich wollte es als kleine Hommage an die Grimm’sche Version trotzdem einbauen. Dort, wo es auch im Original vorkommt, nämlich in Bezug auf das versterbende leibliche Elternteil von „Schneewittchen“. Habt ihr die entsprechende Stelle entdeckt?

Cover gestaltet von Farbenmelodie

Bei Amazon kaufen. Weitere Shops finden sich hier.

Wie jedes Jahr, müsst ihr eine Frage beantworten, um den nächsten Teil lesen zu dürfen:

Wie viele Mordversuche überlebt Schneewittchen?
a)    Einen – weiter zu Anne Danck
b)    Drei – weiter zum Machandel Verlag
c)    Vier – weiter zur Textgemeinschaft

Viel Spaß beim Rätseln und viel Erfolg!

Ein Gedanke zu “Märchensommer: Dies ist eine Rallyestation (und ein Blogpost)

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